Lakritz sollte in der Schwangerschaft nur mit Zurückhaltung gegessen werden

Dürfen Schwangere Lakritz essen? Wenn Du als Schwangere zu den Lakritz-Fans gehörst, musst Du Dich während Deiner Schwangerschaft leider in Zurückhaltung üben. Es gibt aber ein kleines Trostpflaster: Kleine Mengen Lakritz sind in der Schwangerschaft unbedenklich.

Süßigkeiten werden in der Schwangerschaft weitgehend gemieden. Naschereien enthalten zu viel Zucker und andere Zutaten, die dem ungeborenen Leben schaden könnten. Dazu zählt auch das Lakritz.

Das aromatische Naschwerk enthält die Substanz Glycyrrhizin, die in höheren Mengen die Entwicklung des Kindes beeinflussen kann.

Nur kleine Mengen an Lakritz in der Schwangerschaft

Wenn Du Dein Lakritz einteilst und die empfohlene Menge von 125 Gramm pro Woche nicht überschreitest, kannst Du die schwarze Köstlichkeit auch während Deiner Schwangerschaft genießen.

Die Mengenangabe von 125 Gramm ist allerdings etwas unspezifisch.

Lakritz-Naschkatzen wissen, dass es unterschiedliche Sorten gibt. Die Palette reicht von mildem „Kinderlakritz“ bis zu starkem „Erwachsenenlakritz“.

Die Empfehlung bezieht sich auf das einfache Kinder-Lakritz, das einen geringen Anteil an Glycyrrhizin hat.

Wenn Du Lakritz der Sorte „extra stark“ favorisierst, solltest davon nicht mehr als 5 Gramm am Tag verzehren. Diese homöopathische Dosis kommt einer Abstinenz gleich…

Wenn Du nicht ganz auf Lakritz verzichten möchtest, stellen milde Sorten eine Alternative dar.

Weshalb ist Lakritz in der Schwangerschaft bedenklich?

Das Lakritz, in einigen Regionen auch als „Bärendreck“ bezeichnet, enthält den Extrakt der Süßholzwurzel. Dieser Wurzelsaft verleiht dem Lakritz seinen charakteristischen herben Geschmack.

Das Risiko geht vom Glycyrrhizin aus, das in dem Süßholz enthalten ist. Beim Glycyrrhizin handelt es sich um eine Säure, die zu den Saponinen, den so genannten „Seifenstoffen“ zählt.

Auch wenn Süßholz als Heilmittel einen guten Ruf genießt, kann es bei einem übermäßigen Konsum riskante Nebenwirkungen entfalten. Das gilt insbesondere für Menschen mit erhöhtem Blutdruck, aber auch für Schwangere.

Saponine können die schützende Barriere der Plazenta beeinträchtigen. In der Folge können Substanzen wie das Stresshormon Cortisol zum Fötus vordringen. Das Glycyrrhizin hemmt zudem ein Enzym, das für die Umwandlung des Cortisols in Cortison verantwortlich ist.

Dieses Enzym ist auch in der Plazenta enthalten, wo 80% bis 90% des Cortisols deaktiviert werden. Wenn Du zu viel Lakritz konsumierst, gelangt das Cortisol in den Blutkreislauf des Embryos.

Cortisol ist per se keine schädliche Substanz. Dazu ein kleiner Ausflug in die Bio-Chemie: Cortisol übernimmt im Körper wichtige Aufgaben. Es steigert die Informationsverarbeitung, hemmt Entzündungen und das Längenwachstum unserer Knochen.

Für Cortisol gilt aber das gleiche, wie für die meisten Substanzen auch. Eine zu große Menge kehrt die Wirkung in das Gegenteil. So auch beim Cortisol.

Welche Auswirkungen hat überhöhter Lakritzkonsum auf den Fötus?

In einer breit angelegten finnischen Studie konnte ein Zusammenhang zwischen dem Lakritz-Konsum von Schwangeren und den Hirnaktivitäten der Kinder festgestellt werden. So wiesen Kinder von Lakritzliebhaberinnen spezifische kognitive Defizite auf.

Die untersuchten Kinder litten unter Konzentrationsstörungen sowie unter einer limitierten räumlichen Vorstellungskraft. Bei den Mädchen konnte ein früheres Eintreten in die Pubertät beobachtet werden.

Darüber hinaus war das Risiko, an ADHS zu erkranken, bei diesen Kindern um das Dreifache erhöht. Viele der untersuchten Kinder wiesen zudem ein höheres Aggressionspotential auf.

Welches Risiko birgt Lakritz in der Schwangerschaft?

Das Glycyrrhizin greift in Deinen Mineralstoffwechsel ein. Was relativ harmlos klingt, kann aber zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Durch das Glycyrrhizin wird verstärkt das Mineral Kalium ausgeschieden.

Ein Mangel an Kalium wiederum kann zu Herzrhythmusstörungen, Ödemen und Kopfschmerzen führen.

Der Kaliummangel kann Deinen Elektrolythaushalt durcheinander bringen, was sich negativ auf Deinen Blutdruck auswirkt. Da Bluthochdruck zu den typischen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft zählt, solltest Du während dieser Zeit nicht allzu tief in die Lakritztüte greifen.

Leider hat das Glycyrrhizin noch eine weitere Eigenschaft: Es kann eine diabetische Stoffwechsellage provozieren.

Da Du in der Schwangerschaft ohnehin eine Disposition für eine Schwangerschaftsdiabetes hast, solltest Du Deinen Konsum von Lakritz zügeln.

Wann solltest Du ganz auf Lakritz verzichten?

Wenn Du unter einer Schwangerschaftsdiabetes leidest oder während einer früheren Schwangerschaft davon betroffen warst, solltest Du der Vorsicht halber auf Lakritz verzichten.

Das gleiche gilt, wenn Du unter Wasseransammlungen oder unter erhöhtem Blutdruck leidest.

Lakritz in der Stillzeit

Zu aller erst eine gute Nachricht: In der Stillzeit darf es wieder etwas mehr sein! Lakritz solltest Du zwar noch nicht tütenweise vernaschen, aber Du darfst Dir ab und an bis zu 100 Gramm Lakritz am Tag gönnen.

Da Lakritz bei Deinem Baby Blähungen auslösen könnte, ist es angebracht, wenn Du mit kleinen Mengen die Reaktion Deines Kindes testest.

Wenn Du in der Stillzeit wieder mehr Lakritz naschen kannst, ist auch Dein Baby glücklich. Da die Aromen in die Muttermilch übergehen, freut sich Dein Nachwuchs über die neuen Geschmackseindrücke.

Dürfen Kinder Lakritz essen?

Wenn Dein Nachwuchs den Lakritzgeschmack mit der Muttermilch aufnimmt, wird er Lakritz ebenso gerne essen wie die Mama. Aber welche Sorte ist für Kinder geeignet?

Wenn aus Deinem Kind ein Lakritz-Fan geworden ist, dann ist das milde Kinderlakritz mit geringem Glycyrrhizingehalt das ideale Naschwerk.

Beim Kauf solltest Du aber auch das Salmiak im Blick haben, das einigen Sorten beigemischt wird. Der Salmiakgehalt sollte 2 Prozent nicht überschreiten.

Sorten, die einen Salmiak-Anteil von bis zu knapp 8% haben, sind „Elternlakritz“.

Nähstoffe pro 100 Gramm Lakritz*

Kilokalorien 313
Ballaststoffe 1,4 g
Fett 0,6 g
Kohlenhydrate 74,0 g
Natrium 0,47 g

Zusatzstoffe:
Süßholzextrakt 3%
Bienenwachs weiß und gelb
Carnaubawachs

*Kinderlakritz

Quellen und weitere Informationen:

https://www.rund-ums-baby.de/ernaehrung_schwangerschaft/Wieviel-Lakritz-ist-pro-Tag-erlaubt_4339.htm

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72993/Studie-Lakritz-in-der-Schwangerschaft-schadet-der-Entwicklung-des-Kindes