Kefir in der Schwangerschaft

Das „Getränk der Hundertjährigen“ hat sein Image als Geheimtipp schon längst hinter sich gelassen: Kefir wird eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben und ist eines der beliebtesten Milch-Getränke in den Supermarktregalen. In der Schwangerschaft wird dennoch oft vor dem fermentierten Milchprodukt gewarnt.

Kefir verdankt seine Eigenschaften speziellen Bakterien und enthält Alkohol in geringen Mengen. In der Schwangerschaft ist immer Vorsicht angeraten, wenn Mikroorganismen und Alkohol im Spiel sind. Ist das auch in diesem Fall gerechtfertigt?

Darfst du Kefir in deiner Schwangerschaft trinken?

Ja, Kefir ist ein empfohlenes Getränk vor, während und nach der Schwangerschaft. Es liefert dir und deinem Kind zahlreiche Vitalstoffe.

Der milde Kefir aus den Supermarktregalen enthält kaum Alkohol und der Alkoholgehalt von traditionellem Kefir entspricht dem von Fruchtsäften. Solange du nicht 3-4 Liter täglich zu dir nimmst, musst du dir keine Sorgen machen. Die Milchsäurebakterien des Kefir gehören darüber hinaus zu den nützlichen Mikroben.

Diese Kefir-Inhaltsstoffe unterstützen dich während deiner Schwangerschaft

Kefir verdankt sein Image dem hohen Lebensalter der Menschen im Kaukasus, in Tibet und anderen Regionen, in denen fermentierte Milchgetränke zum Alltag gehören. Die einfache Schlussfolgerung, viel vergorene Milch ist gleich hohes Alter, ist bisher allerdings nicht eindeutig belegt.

Im Gegensatz dazu sind die positiven Wirkungen der Inhaltsstoffe von Kefir mittlerweile klar:

  • zahlreiche Vitamine (B2, B12, C, D, …) und Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Zink, …) unterstützen deinen Stoffwechsel und dein Immunsystem
  • probiotische Milchsäurebakterien stärken die Darmflora bei der Abwehr schädlicher, pathogener Substanzen

Die Bedeutung eines intakten Verdauungssystems steht bei Medizinern und Ernährungsberatern mittlerweile an erster Stelle, wenn es um deine Gesundheit in der Schwangerschaft geht. Wir alle beherbergen einige hundert Mikrobenarten, der Großteil trägt zu unserem Wohlbefinden bei.

Einige wenige produzieren allerdings schädliche Substanzen, die dich und dein Kind gefährden.

Probiotische Bakterien in der Schwangerschaft

Probiotische Bakterienstämme (teilweise auch Probiotika genannt) wirken regulierend. Sie verdrängen pathogene Mikroorganismen und fördern damit deine Gesundheit in der Zeit deiner Schwangerschaft. „Probiotisch“ ist allerdings in den letzten Jahren immer stärker kritisch beurteilt worden. Die Kritik richtet sich allerdings nicht gegen die positiven Eigenschaften, sondern gegen die überzogenen Versprechen in der Werbung.

Unabhängig davon, ob ein Joghurt mit künstlichen Probiotika gesünder ist als ein herkömmliches Produkt, Milchsäurebakterien wirken positiv. Kefir enthält besonders viele von den nützlichen Mikroben und kann für dich in deiner Schwangerschaft daher eine Bereicherung sein.

Kefir in der Schwangerschaft: Darauf solltest du achten

Der handelsübliche Kefir, den du im Supermarkt oder im Feinkostladen bekommst, ist ein Milchprodukt. Er wird mittlerweile auf unterschiedliche Arten hergestellt. In der Schwangerschaft solltest du besonders darauf achten:

  • nur Kefir aus pasteurisierter Milch genießen
  • milder Kefir enthält kaum Alkohol

Rohmilch kann, wie auch rohes Fleisch oder rohe Eier, ungewollte Krankheitserreger beinhalten. Sie sind in der Regel unbedenklich, für dich in der Schwangerschaft allerdings kritisch.

Kefir wird zum Großteil aus pasteurisierter Milch hergestellt und damit unproblematisch. Bei Kleinproduzenten und dem Kefir direkt vom Bauer solltest du aber sicher sein, dass die Milch wärmebehandelt wurde.

Der traditionelle Kefir entsteht auf Basis eines speziellen Kefirpilzes (auch: Kefirknolle). Sie sorgt für die Fermentierung, bei der aus der Laktose nützliche Milchsäurebakterien und auch bis zu 2 % Alkohol entstehen. In der Großproduktion werden mittlerweile eigene Bakterienstämme für die Herstellung verwendet. Dabei entsteht der milde Kefir, der kaum Kohlensäure und Alkohol enthält.

In der Schwangerschaft kannst du hier grundsätzlich deinem Geschmack folgen. Bei einer Laktoseintoleranz solltest allerdings auf den milden Kefir verzichten. Nur bei der klassischen Fermentierung wird die Laktose zum überwiegenden Teil abgebaut.

Dein eigener Kefir in der Schwangerschaft

Kefir ist nicht nur als Wellness-Getränk heute beliebter denn je. Viele Liebhaber schwören dabei auf die eigene Herstellung. Wenn du in der Schwangerschaft auf den besonderen Geschmack des selbst hergestellten Käfers setzt, benötigst dafür lediglich:

  • eine Kefirknolle, auch als tibetanischer Pilz bekannt (ist in guten Reformhäusern zu haben)
  • einen halben Liter pasteurisierter Milch
  • ein Kunststoffsieb und Gefäße für die Gärung bzw. Lagerung

Die Kefirknolle, die in ihrem Aussehen frischem Karfiol ähnelt, gibst du zusammen mit der Milch bei Zimmertemperatur in ein Gefäß, das du gut verschließt. Lichtgeschützt und bei rund 20° Celsius gelagert entsteht in ein bis zwei Tagen das gewünschte Ergebnis.

Vor dem Abgießen durch ein dünnes Sieb solltest du den Kefir gründlich umrühren. Dadurch entsteht eine besonders cremige Konsistenz.

Das fertige Getränk kannst im Kühlschrank bis zu drei Tage lagern. Der Rückstand im Sieb ist der Pilz, den du jederzeit wieder verwenden kannst. Für kurze Zeit lässt er sich gut im Kühlschrank aufbewahren und auf Dauer kannst du ihn auch einfrieren.

In der Schwangerschaft solltest du allerdings nicht zu viel davon genießen. Dein Kefir enthält zwar nur wenig Alkohol, in großen Mengen kann er dennoch problematisch sein. Zusätzlich besteht bei selbstgemachtem Kefir eine höhere Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Bakterieninfektionen im Getränk oder einer ungewollt hohen Alkoholkonzentration.

Ist Wasserkefir in der Schwangerschaft eine gute Alternative?

Vergorene Getränke sind für uns schon seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturen. Glücklicherweise werden immer mehr Formen wiederentdeckt, bei denen essenzielle Inhaltsstoffe und nicht der hohe Alkoholgehalt, wie beim Bier, im Vordergrund steht.

Kefir (oder auch Kombucha) sind gut schmecken Beispiele dafür. Wasserkefir ist ein weiteres Beispiel, das dir in der Schwangerschaft gut tun kann. Wobei du dir als Schwangere auch gewissen Gefahren bewusst sein musst.

Wasserkefir ist nicht überall im Handel erhältlich und kann oft nur selbst, mit Wasser anstelle von Milch und einem speziellen Wasserkefirferment, hergestellt werden. Die Kefirkristalle sind als weißes Pulver in Reformhäusern erhältlich, meist unter dem Namen japanische Kristallalge.

Zum Ansatz kommen zusätzlich Zucker und Trockenfrüchte dazu und, wie beim traditionellen Kefir, verwandeln die Mikroorganismen die Inhalte in gesunde Vitalstoffe. Durch die Beigabe von Zitronenschale bekommst du ein leicht kohlensäuregültiges Getränk, das im Geschmack Bitter Lemmon ähnlich ist. Auch hier solltest du in der Schwangerschaft auf zu große Mengen verzichten – das Ergebnis kann bis zu 2 % Alkohol enthalten.

Auch Wasserkefir liefert dir in der Schwangerschaft wichtige Spurenelemente wie Vitamine und Mineralstoffe. Er enthält ebenso Milchsäurebakterien, die dein sensibles Verdauungssystem während der besonderen Zeit unterstützen. Dieses Kafirgetränk ist eine gut schmecken Alternative, wenn du in der Schwangerschaft nach Abwechslung sucht.

Gefahren für Schwangere beim Konsum von Kombucha oder Wasserkefir

Abschliessend muss aber bezüglich den Alternativen Kombucha oder Wasserkefir angemerkt werden, dass es hierzu keinerlei Studien gibt und gewisse Fachpersonen Schwangeren vom Konsum abraten. Insbesondere bei selbst gebrautem Kombucha oder Wasserkefir besteht die Gefahr, dass du nicht sauber gearbeitet hast und sich ungewollte Bakterien munter in deinem Lieblingsgetränk vermehren.

Auch der Alkoholgehalt kann nicht wirklich geprüft werden – beim Kombucha besteht somit die Gefahr, dass der Gärvorgang weiterläuft (insbesondere wenn das Getränk nicht pasteurisiert wurde) und der Alkoholgehalt am Schluss über den empfohlenen 0.5 Vol. % liegt.

Kefir: eine willkommene Ergänzung am Speiseplan deiner Schwangerschaft

Die Zeit, in der dein Kind in dir heranwächst, ist wunderschön, kann aber auch sehr anstrengend sein. Umso wichtiger ist es, dass du deine Wohlfühl-Momente auch genießt. Kefir kannst du mit gutem Gewissen auf deine Genuss-Liste setzen.

Kefir bietet dir neben seinem angenehmen Geschmack auch wichtige Inhaltsstoffe. Dabei ist er auch sehr flexibel kombinierbar, etwa als geeister Blaubeer-Minze-Kefir oder in einem Sauerkirschen-Kefir-Gazpacho